Religion als Bedrohung oder Hafen – religiöse Stereotypen in medialen Vermittlungen des 20. Jahrhundert

14. – 16. November 2018

Gefördert im Rahmen des Programms Pro*Niedersachsen vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur

 

Veranstaltungsort:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Ammerländer Heerstraße 114
26129 Oldenburg,
Raum A06 1-111
Abendvorträge im BIS-Saal

Tagungsbeitrag (einschl. Verpflegung): 30 € / für Nichtverdienende und Studierende frei

Anmeldung: waltraud.scholz@uni-oldenburg.de

 

Organisatoren:

Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Universität Oldenburg; Arbeitsstelle Historische Stereotypenforschung im Institut für Geschichte der Universität Oldenburg; Herausgeberkreis Contemporary Church History / Kirchliche Zeitgeschichte – Internationale Zeitschrift für Theologie und Geschichtswissenschaft

 

Pressemeldung:

http://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2018/358.html

 

Programm:

Mittwoch, 14.11.2018

13:30 – 14:00
Einführung: Andrea Strübind, Tobias Weger, Joachim Willems
Grußwort Rabbiner Jona Simon (Jüdische Gemeinde zu Oldenburg)

14:00 – 16:00
1. Sektion: Stereotypenforschung und Religion. Methodische Überlegungen:
Hans Henning Hahn, Oldenburg: Geschichts- und kulturwissenschaftliche Ansätze der Erforschung religiöser und konfessioneller Stereotypen
Rima Chahine, Oldenburg: Visuelle religiöse Stereotypen in der Werbekunst des 20. Jahrhunderts
Anne Grüne, Erfurt: Das Islambild in den deutschen Massenmedien

16:30 – 18:30
2. Sektion: Auto- und Heterostereotypen in der Binnendifferenzierung monotheistischer Religionen
Stephan Scholz, Oldenburg: Religiöse Stereotypen in der publizistischen Auseinandersetzung um den Spanischen Bürgerkrieg (1936-39)
Nadezhda Beljakova, Moskau & Johannes Dyck, Bonn: Die Stereotypen der Sekte und der Sektierer in den sowjetischen und russischen Massenmedien: Archetyp und die Evolution des Bildes im Laufe des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts
Bacem Dziri & Vanessa Walker, Osnabrück: „Sufis“ und „Salafis“ in auto- und heterostereotyper Selbst- und Fremdabgrenzung

19:30 Uhr
BIS-Saal: Abendvortrag
Martina Thiele, Salzburg: Religiöse Stereotype in der öffentlichen Kommunikation rechtspopulistischer Parteien und Bewegungen

 

Donnerstag, 15.11.2018

8:30 – 10:30
2. Sektion: Auto- und Heterostereotypen in der Binnendifferenzierung monotheistischer Religionen (Fortsetzung)
Christoph Kienemann, Oldenburg: Aus dem Abseits in den Mainstream? Der Wandel des Polenbildes der deutschen Katholiken am Anfang des 20. Jahrhunderts
Gerhard Besier, Dresden: Churches and „sects” – mutual stereotypes and prejudices during the Weimar Republic (1918-1933) and the German government’s role
Tobias Weger, Oldenburg: Nation und/oder Kirche? Katholische Kirche(n) seit 1945 im Lichte der Historischen Stereotypenforschung

11:00 – 13:00
Fortsetzung
Tilman Hannemann, Uni: Der Islam und die verpasste Aufklärung. Karrieren eines akademischen Stereotyps
Joachim Tautz, Oldenburg: Innerjüdische Stereotype – Das Bild der osteuropäische Juden in der deutschen jüdischen Organisationspublizistik: Verband nationaldeutscher Juden, Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zionistische Vereinigung für Deutschland
Robert P. Ericksen, Tacoma, WA/ USA: Stereotypes, Politics, and Religion in the American Bible Belt, 1960-2017

14:00 – 15:30
3. Sektion: Religiöse Stereotypen in fiktionalen Darstellungen und Verschwörungstheorien
Viktor Schnirelman, Moskau: Russian Orthodoxy and Conspiracy Theory: A Contemporary Discourse
Martin Kloke, Berlin: Antijüdische Verschwörungsideologien in religiösen Diskursen: Genese, Verbreitung und Therapiechancen eines
kollektiven Ressentiments

16:00 – 17:30
Fortsetzung
Bacem Dziri & Vanessa Walker, Osnabrück: Die moderne Karriere eines antiken Ketzers – AntisemitischeStereotypisierungen ʿAbdullāh b. Sabaʿs im 20. Jahrhundert
Christin Hansen, Regensburg: „Blow your Trumpets Gabriel“ – Der Heavy Metal und die Frage des Satanismus

19:30 Uhr
BIS-Saal: Abendvortrag
Farid Hafez, Salzburg: Antisemitische und islamophobe Verschwörungstheorien zu Weltherrschaftsfantasien. Eine vergleichende Perspektive

 

Freitag, 16.11.2018

8:30-10:30
4. Sektion: Didaktische Dimension religiöser Stereotypen
Manuel Junge, Osnabrück: Der Islam als Bedrohung und als Hafen. Eine Untersuchung deutscher Lesebücher für den Literaturunterricht 1935-1964/65
Joachim Willems, Oldenburg: „Zweifel unerlaubt! Zweifel unerlaubt?“ – Der Zusammenhang von protestantischen Autostereotypen und Heterostereotypen in Schulbüchern
Carina Branković, Oldenburg & Simone Heidbrink, Karlsruhe: Die Ausstellung „Religion in Ex-Position“. Darstellung religiöser Selbst- und Fremdbilder zwischen Identität, Aneignung und Abgrenzung

11:00-12:30
5. Sektion: Religiös konnotierte Genderstereotypen
Andrea Strübind, Oldenburg: Genderstereotype in der medialen Vermittlung der klassischen Phase der Bürgerrechtsbewegung in den USA
Elke Pahud de Mortanges, Freiburg i. Br./ Fribourg, Schweiz: Kopftuch und Burka als islamisches Unterdrückungs-Stereotyp heute Mittagessen
(b.w.)

13:30-15:00
Fortsetzung
Friederike Schulze-Marmeling, Oldenburg: Autostereotype muslimischer Frauen im Spiegel der Rezeption von Aischa, der ‚Lieblingsfrau‘ des Propheten
Katharina Neef, Chemnitz: Weibliche Opfer, männliche Täter? Geschlechterrollen im Sektendiskurs

15:00 – 16:00
Abschlussdiskussion

 

 

Hintergrund:

Die wechselseitige Wahrnehmung unterschiedlicher Religionen und Konfessionen bzw. religiöser Gruppen ist ein interdisziplinäres Anliegen, dem sich die Forschung in komparativer Weise und mehrere Fachwissenschaften einbeziehend bisher kaum gewidmet hat. Die Konferenz setzt sich zum Ziel, Ansätze der Historischen Stereotypenforschung mit religionswissenschaftlichen und kirchenhistorischen Perspektiven ins Gespräch zu bringen. Dabei handelt es sich um religiöse und konfessionelle Stereotypen – also um Heterostereotypen (Fremdbilder) und Autostereotypen (Selbstbilder) religiöser und konfessioneller Gruppen. Die Konferenz konzentriert sich auf die Rolle von Stereotypen der drei monotheistischen Religionen Christentum, Islam und Judentum samt all ihren Binnendifferenzierungen, auf das 20. Jahrhundert und auf die mediale Vermittlung (im breiteren Sinn des Wortes Medium) der Stereotypen. Thematisiert sollen nicht nur die Beschreibung stereotyper Selbst- und Fremdwahrnehmungen werden, sondern es sind gleichzeitig funktionale, analytische Fragen zu stellen. Die Frage nach einer möglichen Funktion von Stereotypen zur Stabilisierung von Gruppenidentitäten (z. B. Nationen) sollte analog auch im Bereich der Wahrnehmungen von Religionen und Konfessionen und ihrer Institutionen gestellt werden. Es geht also um die Identitätsrelevanz religiös konnotierter Stereotypen ebenso wie um das Verhältnis von Hetero- und Autostereotypen in diesem Bereich. Da religiöse Stereotypen kaum isoliert existieren, sind natürlich dabei auch die Interferenzen zwischen Religion/Konfession und Kultur, Politik und Nation zu untersuchen.

Die Relevanz des Themas für interreligiöse, interkonfessionelle und interkulturelle Beziehungen liegt auf der Hand und sollte auch thematisiert werden. Dabei wird vorgeschlagen, von einem Verständnis von Stereotypen als emotional aufgeladene Verallgemeinerungen auszugehen und auf dieser Basis die aus- und abgrenzenden Funktionen zu untersuchen.

Konferenzsprache ist Deutsch. Referate können auch auf Englisch gehalten werden. Das zumindest passive Verständnis des Deutschen wird vorausgesetzt (Simultanübersetzung ist nicht vorgesehen).

Die Beiträge werden anschließend in der internationalen Zeitschrift: Contemporary Church History / Kirchliche Zeitgeschichte veröffentlicht.